FTP-Rechner — 20-Min-Test in FTP und W/kg umrechnen
Du hast einen FTP-Test gemacht und willst wissen, was deine echte Schwellenleistung ist? Genau dafür gibt es den Coggan-Faktor 0,95. Mit dem Rechner unten brauchst du nur drei Werte einzugeben — du bekommst sofort deine FTP, deine Watt pro Kilogramm und deine Klassifizierung im Coggan-Spektrum.
Der Rechner unterstützt drei Test-Methoden: 20-min-Test (Klassik, am genauesten), 8-min-Test (kürzer, etwas weniger genau) und Ramp-Test (Zwift-Style, am komfortabelsten). Wie du den Test selbst sauber durchführst, steht ausführlich im Artikel FTP-Test richtig machen.
Wie funktioniert der Rechner?
Die FTP (Functional Threshold Power) ist die Power, die du theoretisch 60 Minuten lang konstant treten könntest. Niemand macht freiwillig einen 60-min-All-Out-Test, deshalb werden Approximationen verwendet. Die bekannteste stammt von Andy Coggan:
Beispiel: 285 W × 0,95 = 271 W FTP
Der Faktor 0,95 ist empirisch ermittelt — aus tausenden Athleten-Tests weiß man, dass die 60-min-Power ungefähr 95 % der 20-min-Power entspricht. Bei manchen Athleten passt der Faktor nicht genau (mehr dazu unten), aber er ist eine solide Ausgangsbasis.
Die alternativen Methoden
Drei gängige Test-Protokolle:
- 20-Min-Test (Coggan-Klassik): FTP = 20-min-Power × 0,95. Gilt als Goldstandard. Belastung am nächsten an der echten FTP-Dauer.
- 8-Min-Test (Carmichael): FTP = 8-min-Power × 0,90. Einfacher durchzuführen, aber weniger genau. Überschätzt typischerweise bei VO2max-starken Athleten.
- Ramp-Test (Zwift / TrainerRoad-Style): FTP = 1-min-Peak-Power × 0,75. Maximaler Komfort, aber ungenaueste Methode. Eher als Schätzwert verwenden.
Watt pro Kilogramm — warum W/kg wichtiger ist als absolute Watt
Eine FTP von 300 W klingt nach viel. Aber: ob das in einem Rennen reicht, hängt von deinem Gewicht ab. 300 W bei 90 kg sind 3,33 W/kg — solider Hobby-Cat-4-Wert. 300 W bei 65 kg sind 4,62 W/kg — Cat 1 / Cat 2-Niveau.
Beim Bergauffahren zählt fast nur W/kg, weil du dein eigenes Gewicht überwinden musst. In der Ebene und bei hohem Tempo werden die absoluten Watt wichtiger (Luftwiderstand). Für die meisten Trainingszwecke ist W/kg die aussagekräftigere Kennzahl.
Die Coggan-Klassifizierung
Andy Coggan hat eine Tabelle erstellt, die FTP-Werte in W/kg auf Leistungsstufen abbildet. Hier die wichtigsten Stufen für Männer und Frauen:
| Kategorie | W/kg (M) | W/kg (F) | Vergleich |
|---|---|---|---|
| World-Class | ≥ 5,65 | ≥ 5,15 | Internationaler Pro |
| Exceptional | ≥ 5,05 | ≥ 4,55 | Cat 1 / Conti Pro |
| Excellent | ≥ 4,55 | ≥ 4,10 | Cat 1 / Cat 2 |
| Very Good | ≥ 4,05 | ≥ 3,65 | Cat 2 / Cat 3 |
| Good | ≥ 3,55 | ≥ 3,20 | Cat 3 / Cat 4 |
| Moderate | ≥ 3,05 | ≥ 2,75 | Cat 4 / Cat 5 |
| Fair | ≥ 2,55 | ≥ 2,30 | Cat 5 / Hobby |
| Untrained | < 2,55 | < 2,30 | Anfänger |
Wichtig: Diese Tabelle ist ein statistischer Durchschnitt. Sie bedeutet nicht, dass du in einer bestimmten Renn-Kategorie aufgestellt wirst — das hängt von Renn-Taktik, Sprint-Fähigkeit, Ausdauer und vielen anderen Faktoren ab.
Wo der 0,95-Faktor nicht passt
Der Coggan-Faktor 0,95 ist eine Approximation, keine Naturkonstante. Es gibt zwei Athleten-Typen bei denen er nicht gut passt:
- Sehr ausdauernde Athleten (Ultra-Triathleten, Bergsteiger): Können oft länger im Schwellenbereich treten als 60 Minuten. Ihre echte FTP liegt näher an 96–97% der 20-min-Power. Der Standard-Faktor unterschätzt sie.
- VO2max-starke Sprinter: Haben viel anaerobe Kapazität, können kurze Belastungen sehr stark "auffüllen". Bei ihnen liegt die echte FTP näher an 92–93% der 20-min-Power. Der Standard-Faktor überschätzt sie.
Für die meisten Hobby-Athleten ist 0,95 aber eine valide Schätzung. Wenn du Zweifel hast, mache ergänzend einen 60-min-Tempo-Test (z.B. eine Tempo-Einheit oder ein 40-km-Zeitfahren) und gleiche die Werte ab.
Typische Fehler beim FTP-Test
- Zu kurzes Warm-Up: Mindestens 20–30 Minuten progressiv steigend, mit 2–3 Aktivierungs-Sprints. Sonst ist deine Power-Output in der ersten Test-Minute zu niedrig.
- Zu schnell starten: Die häufigste Falle. Pacing ist alles — halte die ersten 5 Minuten 5 % unter dem geplanten Tempo, dann auf Ziel-Power steigern.
- Falscher Wattmesser: Pedal- vs. Naben-vs. Kurbel-Powermeter können um 5–10 % abweichen. Immer denselben Wattmesser für alle Tests verwenden.
- Nicht ausgeruht: Ein FTP-Test braucht volle Form. Mindestens 48 Stunden Recovery vor dem Test, idealerweise 72.
- Falsche Umgebung: Indoor (Smart-Trainer) ist 5–15 W niedriger als Outdoor (gleiche Power gefühlt härter). Klar trennen, nicht vermischen.
Wie du den Rechner praktisch nutzt
Vier Anwendungsfälle:
- Trainingszonen ableiten: Aus deiner FTP ergeben sich automatisch deine 5 oder 7 Coggan-Zonen (Z2-Endurance: 56–75% FTP, Z3-Tempo: 76–90%, Z4-Schwelle: 91–105%, etc.). Den Trainingszonen-Rechner nutzt du direkt dafür.
- Trainings-Fortschritt tracken: Alle 6–8 Wochen einen Test machen. Wenn FTP wächst, dein Training funktioniert. Wenn nicht, neu kalibrieren.
- Renn-Strategie planen: Bei Klettern ist W/kg entscheidend. Mit deinem aktuellen Wert kannst du grob abschätzen, was bei einem bestimmten Anstieg möglich ist.
- Vergleich mit anderen: Die Coggan-Tabelle hilft realistisch einzuschätzen, wo du im Spektrum stehst — ohne dich künstlich besser oder schlechter zu machen.
Mach den Test nicht nur einmal. Erstmaliger Test? Schreib das Ergebnis auf und teste in 6 Wochen erneut — nach gleichem Protokoll, gleicher Tageszeit, gleichem Wattmesser. Erst die Vergleichswerte zeigen ob dein Training wirkt.
Fazit
FTP ist die wichtigste Power-Kennzahl im Radsport — sie definiert deine Trainingszonen, deine Renn-Strategie und deine Trainings-Fortschritte. Der Rechner hier gibt dir aus drei einfachen Inputs (Test-Power, Gewicht, Geschlecht) sofort alle relevanten Werte: FTP, W/kg, Coggan-Klassifizierung.
Wichtig: Der berechnete Wert ist nur so gut wie dein Test. Investiere in ein sauberes Protokoll (richtiges Warm-Up, gutes Pacing, ausgeruhter Zustand) und vergleiche regelmäßig — dann hast du eine zuverlässige Basis für dein Training.
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