Wettkampf-Planung

Pace-Rechner — Wettkampfzeit prognostizieren

15. Mai 2026 7 Min Lesezeit Laufen

Du hast einen 10K in 42 Minuten gelaufen und willst wissen, was du beim Halbmarathon oder Marathon erwarten kannst? Genau dafür gibt es Pace-Prognose-Formeln. Mit dem Rechner unten brauchst du deine Wettkampfzeit nur einmal einzugeben — du bekommst sofort Prognosen für alle Standard-Distanzen plus Ziel-Pace pro Kilometer.

Wichtig vorweg: Prognosen sind keine Garantien. Sie zeigen dir was unter idealen Bedingungen drin wäre, vorausgesetzt deine Vorbereitung passt. Mehr dazu unter dem Rechner.

Pace-Predictor
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Wie funktioniert der Rechner?

Hinter dem Tool steckt die Riegel-Formel — 1981 von Peter Riegel veröffentlicht und seitdem der wissenschaftliche Standard für Laufprognosen. Die Formel lautet:

T2 = T1 × (D2 / D1)1,06

In Worten: Die neue Zeit (T2) für die Ziel-Distanz (D2) ergibt sich aus der bekannten Zeit (T1) für die Eingabe-Distanz (D1), multipliziert mit dem Distanz-Verhältnis hoch 1,06.

Der Exponent 1,06 ist empirisch ermittelt. Er bedeutet: wenn du die Distanz verdoppelst, wird deine Zielzeit etwas mehr als doppelt so lang. Konkret: 21,06 ≈ 2,08 — du wirst auf der doppelten Distanz etwa 4% langsamer pro Kilometer.

Ein Beispiel

Du läufst einen 10K in 42:00 Minuten (= 2520 Sekunden). Was wäre laut Riegel deine Halbmarathon-Zeit?

THM = 2520 × (21,0975 / 10)1,06
THM ≈ 5560 s ≈ 1:32:40

Wo die Formel genau ist — und wo nicht

Eine große Untersuchung (Vickers & Vertosick 2016) zeigt: Die Riegel-Formel ist sehr genau für Distanzen zwischen 1500 m und 21 km bei trainierten Läufern. In diesem Bereich liegt die typische Abweichung unter 2 %.

Ab der Marathon-Distanz beginnt sie aber, die Zeit zu unterschätzen — sie sagt also schnellere Marathon-Zeiten voraus, als die meisten Läufer tatsächlich erreichen. Der Grund: ab etwa 90 Minuten Belastung kommen Faktoren ins Spiel die in der Formel nicht abgebildet sind:

Faustregel: Plane deine Marathon-Pace 3–5 % konservativer als die Formel vorhersagt. Wenn der Rechner 3:30 sagt, plane realistisch mit 3:35–3:40 falls du nicht auf Welt-Niveau bist.

Gruppiertes Balkendiagramm vergleicht Riegel-Marathon-Prognose und realistische Marathon-Zeiten für fünf 10K-Leistungsstufen: 35:00, 40:00, 45:00, 50:00 und 55:00 Minuten. Bei 35 Minuten 10K beträgt die Diskrepanz nur 3,9 Prozent, bei 55 Minuten 10K wächst sie auf 9,8 Prozent.
Die Riegel-Prognose unterschätzt die Marathon-Zeit umso stärker, je langsamer der Athlet ist. Bei einer 10K-Zeit von 35 Minuten beträgt die Diskrepanz noch unter 4 %, bei 55 Minuten 10K bereits fast 10 %.

Wann die Formel nicht funktioniert

Drei Situationen in denen du der Prognose nicht trauen solltest:

  1. Sehr kurze Distanzen: Unter 1500 m dominieren anaerobe Energiesysteme. Eine 400-m-Prognose aus deiner 10K-Zeit ist meist zu schnell.
  2. Ultra-Distanzen: Ab 50+ km wird der Exponent in der Realität deutlich höher (etwa 1,10–1,15). Für Ultras gibt es spezialisierte Modelle.
  3. Bei untrainierten Läufern: Die Formel setzt eine ausreichende Grundlagenausdauer voraus. Wer noch nie einen Halbmarathon gelaufen ist, sollte die Marathon-Prognose aus einer 5K-Zeit nicht ernst nehmen — die Ausdauerbasis muss erst gebaut werden.

Welche Eingabe-Distanz ist am genauesten?

Eine einfache Regel: Je näher die Eingabe-Distanz an der Ziel-Distanz liegt, desto genauer wird die Prognose.

Alternative Formeln

Riegel ist nicht die einzige Methode. Zwei weitere weit verbreitete Ansätze:

VDOT (Jack Daniels)

Der amerikanische Trainer Jack Daniels hat in seinem Buch "Daniels' Running Formula" ein eigenes System entwickelt: VDOT (ein abgeleitetes VO2max). Aus deiner Wettkampfzeit wird ein VDOT-Wert berechnet, aus dem dann Trainings-Paces und Wettkampf-Prognosen für andere Distanzen abgeleitet werden. Genauer als Riegel im Marathon-Bereich, aber komplexer in der Anwendung. Das VDOT-Modell steckt auch im Trainingszonen-Rechner, wenn du deine Pace-Zonen daraus ableiten willst.

Höherer Exponent für lange Distanzen

Für lange Distanzen lässt sich der Riegel-Exponent leicht erhöhen (etwa 1,07 statt 1,06). Im Marathon-Bereich oft genauer als das Original, für kürzere Distanzen schlechter.

Wie du den Rechner praktisch nutzt

Drei sinnvolle Anwendungsfälle:

  1. Wettkampf-Zielzeit setzen: Nach einem aktuellen 10K weißt du, was bei einem geplanten Halbmarathon möglich ist — und kannst dein Pacing entsprechend planen.
  2. Trainings-Tempo ableiten: Aus deinem aktuellen Leistungslevel ergeben sich passende Tempi für Tempo-Läufe, Long Runs und Intervalle. Konkret in Zonen umrechnen kannst du das mit dem Trainingszonen-Rechner.
  3. Realitäts-Check für Trainingspläne: Wenn ein Plan dich auf eine 3:00-Marathon vorbereitet aber dein 10K bei 50 Minuten liegt, weißt du dass entweder das Ziel oder der Plan unrealistisch ist.
◣ Praxis-Tipp

Berechne die Prognose 4–6 Wochen vor deinem Ziel-Wettkampf, nicht 6 Monate vorher. Deine aktuelle Form ist der einzig zuverlässige Indikator. Was du vor einem Jahr gelaufen bist, hat mit deinem nächsten Wettkampf wenig zu tun.

Fazit

Die Riegel-Formel ist ein bewährtes Werkzeug für realistische Wettkampf-Prognosen — besonders im Bereich 5K bis Halbmarathon. Für den Marathon gibt sie dir eine ehrgeizige Obergrenze, die du in deiner Zielsetzung bewusst konservativer ansetzen solltest.

Wichtig: Der Rechner ist kein Ersatz für Training. Er sagt dir nicht was du kannst, sondern was möglich wäre, wenn deine Vorbereitung passt. Eine Marathon-Prognose aus einer 10K-Zeit setzt voraus, dass du auch wirklich für den Marathon trainiert hast — mit ausreichend Long Runs, Volumen und gezielter Vorbereitung.

Häufige Fragen
Wie genau ist die Riegel-Formel?
Die Riegel-Formel ist sehr genau für Distanzen zwischen 1500 m und 21 km bei trainierten Läufern — typische Abweichung unter 2 %. Bei der Marathon-Distanz überschätzt sie das Tempo typischerweise um 3 bis 5 Prozent, weil ab 90 Minuten Belastung weitere Faktoren ins Spiel kommen: Kohlenhydrat-Speicher, mentale Ermüdung, Hitze, muskuläre Ermüdung. Plane deine Marathon-Pace eher konservativ als die Formel vorhersagt.
Was bedeutet der Exponent 1,06 in der Riegel-Formel?
Der Exponent 1,06 ist empirisch ermittelt — er beschreibt wie stark die Pace mit zunehmender Distanz nachlässt. Wäre der Wert 1,0, würdest du auf jeder Distanz das gleiche Tempo halten können. Da er größer ist, wirst du auf längeren Distanzen proportional langsamer. Konkret: bei der doppelten Distanz brauchst du 21,06 ≈ 2,08-mal so lang — also etwa 4 % mehr Zeit pro km. Für Ultra-Distanzen ist der Exponent in der Realität noch höher (1,10–1,15).
Welche Eingabe ist am genauesten — 5K, 10K oder Halbmarathon?
Je näher die Eingabe-Distanz an der Ziel-Distanz liegt, desto genauer wird die Prognose. Für eine Marathon-Prognose ist eine aktuelle Halbmarathonzeit am aussagekräftigsten — idealerweise nicht länger als 6 Wochen her. Eine 5K-Zeit ist für die Vorhersage einer Marathon-Zeit zu kurz und überschätzt typischerweise. Für eine 10K-Prognose funktioniert eine 5K-Zeit dagegen sehr gut.
Funktioniert die Formel auch fürs Schwimmen oder Radfahren?
Die Riegel-Formel wurde für Lauf-Distanzen entwickelt und funktioniert dort am besten. Fürs Schwimmen gibt es eine ähnliche Faustformel mit eigenen Exponenten, fürs Radfahren wird stattdessen das Critical-Power-Modell verwendet (P = CP + W'/t). Die Pace-Prognose hier funktioniert ausschließlich für Lauf-Wettkämpfe.
Warum prognostiziert die Formel für sehr kurze Distanzen unrealistisch schnelle Zeiten?
Riegel funktioniert am besten für Distanzen ab 1500 m. Für kürzere Distanzen wie 800 m oder 400 m dominieren anaerobe Energiequellen, die die Formel nicht berücksichtigt. Eine prognostizierte 800-m-Zeit aus einer 10K-Bestzeit ist deshalb mit Vorsicht zu genießen — die meisten Hobbyläufer sind über kurze Distanzen schlechter als die Formel vorhersagt, weil ihnen die Schnellkraft fehlt.

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